Gedanken

„Du sollst deinen Geek lieben“ oder „Zukunft ist Einstellungssache“

Zwei willkürliche Situationen aus den letzten Wochen. Das Referententeam des EJW war auf einem Teammeeting im Allgäu. Das mobile Internet in der Ecke ist nun nicht unbedingt für wirklich gute Geschwindigkeiten bekannt. Just in dem Moment wo wir unsere Zimmer bezogen, kappt draußen vor dem Haus ein Bagger das Telefon- und Internetkabel (aus dem jetzt eh nicht die schnellsten Geschwindigkeiten raus tropfen). Konkret hieß das: Offline! Twitter aktualisierte sich, wenn man es 10 Minuten hartnäckig versuchte. An Nachrichten, Internetseiten oder restliche Kommunikation war nicht zu denken. Dies spaltet die Kollegenschaft gefühlt in zwei Gruppen: die „Endlich-sind-wir-hier-mal-offline“-Menschen und die „Gnaaaa-ich-bekomme-nichts-mehr-aus-der-Welt-mit“-Menschen. Ich gehöre natürlich zur zweiten Kategorie.

Und dafür darf man sich oft genug auf solchen Tagen Häme anhören. Beispiel Kollege A stand neben mir auf dem Parkplatz auf dem ich und Kollege B standen. Kollege B und ich reckten unsere Telefone in den Himmel um wenigstens mal eine Mail rausschicken zu können. Kollege A stand neben uns und schüttelte bedauernd den Kopf: „Ab dem dritten Tag wird es besser.“ Ich korrigierte Kollege A. Es wird jeden Tag ohne News aus der Welt, ohne Anbindung an andere Arbeitsteams usw. schlimmer. Wenn offline, dann will ich entscheiden wann ich offline bin und nicht zwangsgetrennt werden. Daraufhin Kollege A zu uns: „Ihr klingt wie Alkoholiker!“ – Danke, da war das Gespräch für mich beendet.

Auf einem Vortrag neulich. Ich sollte mich als Redner vorstellen. Da ich gerade dabei war mir eine neue Wohnung zu suchen (irgendwann gibt hier mehr davon) erklärte ich, dass es für mich selbstverständlich ist, nur Wohnungen in Gebieten zu suchen die mindestens VDSL (also schnelles Internet) anbieten. Die mir gegenübersitzenden Herrschaften (ein Zitat aus der Runde gefällig: „Wenn ich gelegentlich einen Ausflug in dieses Internet mache…) schauten mich traurig und mitleidig an. Freak!

Dabei ist die korrekte Bezeichnung weder Alkoholiker oder Freak sondern Geek. Aber was ist ein Geek eigentlich?

Geek [giːk] (engl. umgangssprachlich für Streber, Stubengelehrter) bezeichnet heute allgemein eine Person, die sich durch großes Interesse an wissenschaftlichen oder fiktionalen Themen auszeichnet, die üblicherweise elektronischer (vgl. Computerfreak) oder phantastischer Natur sind… Wikipedia

Geeks kann man nicht über einen Kamm scheren, dass ist mir bewusst. Aber grob gesagt sind es die Personen, die euch „Nicht-Geeks“ helfen, wenn:

  • die Webseite komische Sachen macht
  • das Internet nicht geht
  • „der Google“ kaputt ist
  • das Smartphone keine Mails abruft – bzw. wie richtet man das eigentlich ein?
  • wie heißt hier nochmal das WLAN-Passwort?
  • der Beamer die Präsentation nicht frisst (wie war das mit dem 2. Bildschirm nochmal?)
  • der Beamer nicht angeht (oh Kabel war nicht eingesteckt!)

Dazu haben Geeks einen großen Vorrat an unterschiedlichen Tools und Webseiten die euch bei Problemen helfen können, von denen ihr nicht mal wisst, dass es Lösungen dafür gibt:

  • erklären was Podcasts sind und warum sich dahinter eine ganze Galaxie an Wissen verbirgt
  • Präsentationen auch ohne PowerPoint gehen
  • Man E-Mails anders erledigen kann als mit Outlook
  • Man in Teams anders kommunizieren als mit E-Mails

Ich erwarte gar nicht von Jedem, dass er all das weiß. Und wer sich nicht mit technischen Dingen beschäftigen will soll es lassen. Aber: „Zukunft ist Einstellungssache!“ Wir helfen gerne wenn wir gefragt werden. Und ich profitiere täglich von den Geeks um mich herum. Weil auch ich dauernd neue Dinge lerne. Was Geeks aber eher uncool finden ist, wenn man sie mit Alkoholikern vergleicht. Wenn man Ihnen dauernd zu verstehen gibt, dass ihr neustes Technik-Spielzeug doch ziemlich übertrieben ist oder kein Mensch braucht…

Das hat man mir zum Beispiel auch gesagt, als ich damals für teuer Geld das erste iPhone gekauft habt. Und heute haben die meisten ein Smartphone in der Tasche. Seid froh, dass wir Geeks und frühzeitig gebildet haben, sonst würden wir euch heute nicht bei Einrichtung/Mails/Internet/WLAN helfen können. Ich trage seit drei Jahren einen Fitnesstracker am Arm. In der Zwischenzeit hab ich genug von euch beraten beim Kauf. In den ersten zwei Jahren habt ihr nur gelacht.
Jetzt kaufe ich mir eine smarte Uhr. Ich warne euch: keine doofen Sprüche – ich helfe euch sonst in zwei Jahren nicht, wenn ihr nicht wisst wie etwas funktioniert.

Das einzige was wir Geeks uns für unseren Einsatz wünschen: etwas mehr Liebe und vor allem weniger dumme Sprüche! Lasst uns doch einfach ausprobieren und hört auf unsere gut gemeinten Tipps… Danke.

„Jede neue Idee durchläuft drei Entwicklungsstufen: in der ersten wird sie belacht, in der zweiten bekämpft, in der dritten ist sie selbstverständlich.“ Arthur Schoppenhauer
P.S.: Du bist Geek? Hier gibt es übrigens einen tollen Comicblog aus dem Leben eines Nerds ;)