Kirche Tiefgang

Kirchenwahl – Kirche im Alltag:

Nicolai und ich treten bei der Kirchenwahl am 1.12.2019 für den Gesprächskreis Kirche für morgen im Wahlbezirk Kirchheim/Nürtingen an. Wir wurden bei gebeten auf sechs Fragen zu Antworten. Die drei Kategorien: „Kirche im Alltag“, „Digitalisierung neue Medien“ und „Gottesdienst und Musik“. Dieser Beitrag ist der erste Teil der Antwortserie.

Wie soll mit sexueller Vielfalt umgegangen werden?

Meiner Meinung nach muss in dieser Frage Vielfalt zur Normalität werden. Schaut man ins Matthäusevangelium Kapitel 22, macht Jesus relativ klar wie wir miteinander umzugehen haben – kurz zusammengefasst: das wichtigste Gebot ist: „Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Da steht nicht: beurteile und richte über deine Mitmenschen. Oder: versuche möglichst oft Moralpredigten zu halten. Sondern: behandele deinen Nächsten mit Liebe. Das gilt auch, und vor allem dann, wenn der Nächste anders ist als man selbst.

Menschen, die wie ich dem queeren Spektrum angehören, also nicht „normal heterosexuell“ sind, haben sich diese Tatsache nicht ausgesucht. Man wacht eines Tages auf und stellt fest, man ist nicht das, was alle anderen als normal bezeichnen. Und dabei ist es egal, ob man lesbisch, schwul, trans- oder intersexuell ist. Das Leben wird dadurch nicht wirklich einfacher. Vor allem junge, queere Menschen führen oft einen langen inneren Kampf um ihr Outing. Was so jemand nicht hilft, und ich kenne das aus meiner eigenen Lebensgeschichte, sind Menschen, die schwarz-weiß Moral predigen und mit Bibelstellen um sich werfen. Queere Menschen brauchen Mitchristen, die sie annehmen wie sie sind. Die sie mit offenen Armen empfangen. Die ihnen durch schwere Zeiten wie ein Outing helfen. Sie brauchen Menschen, die sich für sie einsetzten und es wagen über den eigenen Tellerrand zu blicken. Denn erst wenn ich mich mit dem Anderen auseinandergesetzt habe, verstehe ich was er durchmacht. Und konsequent zu Ende gedacht brauchen sie Schwestern und Brüder, die sie und ihre Liebe segnen. Wir, die Kirche müssen uns dahin weiterentwickeln, dass (sexuelle) Vielfalt als Bereicherung und wertvolle Normalität angesehen werden und nicht als ausgrenzender Faktor.

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Kirche als öffentliche Bildungsinstitution. Wieviel Geld sollte dafür investiert werden?

Kirche gehört nicht nur in die Kirchenwände, sondern muss sich dort abspielen, wo die Menschen sind. Jesus ist auch nicht nur die ganze Zeit im Tempel rumspaziert, sondern ist an die Orte gegangen, an denen sich der Alltag abspielt und an denen ganz natürlich Fragen ergeben, deswegen ist es für uns klar, dass Kirche auch in den Schulen und anderen Bildungseinrichtungen präsent sein muss. Wir wollen das aber nicht nur irgendwie machen, sondern wir von Kirche für morgen möchten, dass Kirche ganz besonders beim Thema Bildung auch auf Qualität und Lebensrelevanz achtet. Für uns bedeutet das z.B., dass wir uns in der Synode dafür einsetzen, dass Religionslehrer*innen und Religionspädagog*innen noch besser unterstützt werden, um einen ansprechenden, spannenden und lebensrelevanten Unterricht zu kreieren, bei dem niemand mehr einschläft😊.

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