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Runder Tisch: Homosexualität und Jugendarbeit

Letzte Woche lud das EJW zu einem außergewöhnlichere Fortbildungsformat: einem runden Tisch zum Thema Homosexualität in der Jugendarbeit. Geladen waren ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter in der Jugend- und Gemeindearbeit. Dieser “runde Tisch” und ein theologischer Fortbildungstag zum Thema bilden den Rahmen, in dem sich das EJW dieses Jahr mit dem Thema Homosexualität auseinandersetzen wird. Klar war schon bei meinem Outing: irgendeine Art von (schriftlicher) Festlegung wird es bei diesem Thema nicht geben. Zu unterschiedlich ist der theologische Horizont in der württembergischen Landeskirche. Zu viele Fragen und Unwissen steckt in den Köpfen der Verantwortlichen.

Der runde Tische wurde von einem Kollegen und meinem Chef initiiert mit dem Ziel

bei diesem doch sehr umstrittenen Thema einfach einmal hinzuhören. Nicht blind und schwarz-weiß diskutieren sondern einmal hinhören auf Geschichten von “Betroffenen” und auf “Experten”. Moderiert wurde der Abend von einem Journalisten. 140 Besucher brachten den Raum fast zum platzen.
Inhaltlich werde ich hier nichts erzählen – an dem Abend war zum Schutz der Anwesenden ausgemacht worden, dass kein Berichterstattung aus dem Abend erfolgen wird. Ich schreibe diesen Blogpost auch nur, um aufzuzeigen, was seit meinem Blogpost vor fast 5 Monaten passiert ist.

Trotzdem ein paar wenige, allgemeine Gedanken zu dem Abend:

In der ersten Stunde stellten sich sechs Homosexuelle (inkl. mir) und eine betroffene Mutter den verschiedenen Fragen des Moderators.  Deutlich wurde: Die eigene Homosexualität ist ein Thema, das alle Betroffenen (zu) lange mit sich herumgetragen haben. Oft in der Angst vor Ausgrenzung in den eigenen christlichen Gruppen (ob diese Angst dann wirklich begründet war oder nicht, steht immer auf einem anderen Blatt). Neben dem konnte man sehen was eigentlich jedem klar sein müsste: “Die Homosexualität” gibt es nicht. Es stecken immer unterschiedliche Menschen und Geschichten hinter diesem einem Adjektiv. Auch ganz unterschiedliche Ansätze, wie man mit seiner Sexualität umgeht, wurden deutlich.

In der zweite Stunde saßen dann Menschen auf dem Podium die teils beruflich mit dem Thema Homosexualität zu tun haben. Neben einem Psychologen ein Prälaturbeauftragter, ein Vertreter der Ex-Gay-Bewegung sowie ein Theologe. Auch diese Runde war voller wichtiger Fragen. Deutlich wurde in dieser Runde: das Thema Sexualität muss in der Jugendarbeit wieder stärker bedacht und besprochen werden. Und das in einem Rahmen, der möglichst nicht mit dem ethisch-moralischen Zeigefinger winkt. Aber genau da liegt der Knackpunkt in den letzten 10 Jahren Jugendarbeit in Württemberg. Wie kann ein so heikles Thema gut kommuniziert werden ohne die angesprochene Zielgruppe dabei zu verletzen und seinen eigenen theologischen und moralischen Standpunkten treu zu bleiben. Antworten darauf gab es nicht – das wird wohl eine der Hausaufgaben aus diesem Abend sein.

Was bleibt? Wie geht es weiter?

Das Thema ist bei denen, die nach der Veranstaltung mit mir gesprochen haben vielfältiger geworden. Die Gespräche haben einen Einblick in die Breite des Themas geliefert. Wirklich Zeit für große Tiefbohrungen blieben leider nicht. Und viele auf Zettel geschriebene Fragen blieben aufgrund der Zeit unbeantwortet.

Theologisch wurde an diesem Abend nicht viel besprochen. Das EJW hat bewusst einen ganzen Tag für dieses Thema angesetzt. Im Oktober wird sich einer der beiden Studientage der Jugendarbeitskollegen diesem Thema annehmen. Wilfried Härle, Vorsitzender der ad-hoc-Kommission der EKD zum Thema “Homosexualität” und Verfasser der Schrift “Mit Spannungen leben” (1996) wird an diesem Studientag die Impulse geben.

Ein Versuch:

Mir wurde in der kleinen und begrenzten Fragezeit deutlich: Wer keinen Homosexuellen kennt, der hat viele Fragen und Vorurteile im Kopf. Und nirgends die Möglichkeit diese zu stellen. Ich starte deshalb einen kleinen Versuch. Unter diesem Post befindet sich ein kleines Kontaktformular in das anonym Fragen zum Thema Homosexualität gepostet werden dürfen. Ich werde diesen Fragen dann irgendwann einmal einen hier öffentlichen Blogpost richten. Vielleicht hole ich mir noch jemand zweiten dazu, damit die Fragen nicht nur von mir beantwortet werden. Heißt konkret: Wenn du eine allgemeine Frage zum Thema Homosexualität hast und damit leben kannst, dass man deine Frage mit einer Antwort auf diesem Blog lesen kann, dann stelle sie. Ich frage in dem Formular nur die Frage ab. Name und E-Mail-Adresse interessieren mich nicht. Disclaimer: Ich nehme mir heraus auf manche Fragen nicht zu antworten und dieses Experiment auch wieder zu beenden, wenn es missbraucht wird.

Deine Frage findet hier ihren Platz: 

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