Ausflüge/ Hoffnungsträger

Hoffnungsträger unterwegs

Hoffnungsträger

Es ist heiß – 40 Grad Unterschied zu Deutschland. Der Verkehr ist absolut chaotisch. Duzende von Mofas drängeln sich am Tuk Tuk vorbei. Im Anhänger sitzen mein Kollegen Johannes, unser Gast Florian und ich. Irgendwo hinter uns im dichten Verkehr ein zweites Tuk Tuk mit unseren Koffern. Zumindest hoffen wir das. Als wir vom Hotel Richtung Flughafen losgefahren sind war es direkt hinter uns. Doch jetzt können wir hoffen, dass nicht nur wir, sondern auch unser Gepäck am Flughafen ankommt. Ein Schlagloch – so tief, dass Johannes sich direkt seinen Kopf im Tuk Tuk anhaut. Wir fahren gerade durch das Rotlichtviertel von Phnom Penh – der Hauptstadt von Kambodscha. Wir sind auf dem Rückweg. Eine Woche haben wir das pure Leben in diesem asiatischen Land gesehen/erlebt/gehört und trotz unserer vielleicht nie mehr auftauchenden Koffern, der Hitze und dem Verkehr: wir sind guter Dinge. Lachen und scherzen. Es war eine bewegende Woche: Hoffnungsträger unterwegs.

Hoffnungsträger?

Seit Anfang Januar arbeite ich in Leonberg bei den Hoffnungsträgern. Einer Stiftung die neben Flüchtlingsarbeit und der Unterstützung einiger kleinerer Projekte das Ziel hat, Menschen die mittel- und unmittelbar mit Gefängnis zu tun haben, zu helfen. In diesem Fall geht es um Kinder von Strafgefangenen in den Ländern Kambodscha, Sambia und Kolumbien. Zusammen mit Prison Fellowship International versuchen wir Kindern, deren Elter/n im Gefängnis sitzen,  Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung, Schutz und Fürsorge zu ermöglichen.

Tales from a cambodian Cowboy

Und so steige ich mit Kollegin Libby (die ist übrigens nach uns nach Hause geflogen, weshalb sie in der Story oben nicht auftaucht), Kollege Johannes und Florian Anfang März in einen A380 und wir fliegen von Frankfurt über Bangkok nach Phnom Penh. Kambodscha – was ist das eigentlich für ein Land? Ich muss gestehen: ich hab überhaupt keine Ahnung. Über das Nachbarland Vietnam hat man so ein bisschen eine Ahnung. Aber Kambodscha?

Adam - der Hoffnungsträger vor OrtZum Glück haben wir Adam an unserer Seite. Adam ist Mitte der neunziger nach Kambodscha gekommen um etwas zu verändern. Er kennt die wuselige Hauptstadt mit ihrem chaotischen – aber erstaunlicherweise funktionierendem Verkehr in- und auswendig. Er spricht Khmer – die Sprache der Kambodschaner und er hat Geschichten zu erzählen. Über das Land, seine Leute. Über die Arbeit mit Kindern von Strafgefangenen die er praktisch in diesem Land aufgebaut und entwickelt hat und die jetzt in vielen Ländern dieser Erde Kindern Hoffnung und eine Zukunft gibt. Jede Frage kann er uns beantworten – vorgetragen in seinem neuseeländischen Akzent. Er denkt immer daran, dass wir genug Wasser trinken, auf was wir achten müssen und erzählt uns wie dieses Land und seine Menschen funktioniert. Er erklärt uns die verstörenden Auswirkungen der Khmer Rouge die das Land vor etwas mehr als 40 Jahren praktisch kahl geschoren haben. Und er rettet uns: mit medizinischen Tipps und diese eine Mal, als wir eines der Gefängnisse vor Ort besuchten und unsere Auto nicht mehr losfahren wollte. Wir standen da also: Im Innenhof eines kambodschanischen Knasts und kamen nicht mehr weg. Wir haben es mit Humor genommen und warteten anschließend auf Adam – der uns mit seinem Auto abholen kam. Ich habe in meinem Leben selten Menschen gesehen die mit so viel Energie Gutes getan haben. Ein wirklich inspirierender Kerl, der so abenteuerlustig ist, dass, wenn er seinen Helm gegen einen Hut tauschen würde, einem Cowboy gleich käme. Über den Hoffnungsträger Adam hab ich einen kleinen Film gedreht – wenn er fertig ist werde ich hier noch mal drauf verweisen.

Hoffnungsträger!

Vor Ort besuchen wir Kinder von denen mindestens ein Elternteil im Gefängnis sitzt. Gefängnisse in Kambodscha sind kein besonders erstrebenswerter Ort (wir durften ja mehr Zeit dort verbringen als geplant). Und dazu ist die kambodschanische Gesellschaft eine Schamgesellschaft. Wer ins Gefängnis muss verliert sein Gesicht. Und die zurückgelassenen Kinder werden zu stigmatisierten Ausgestossenen. Wenn die Mutter ins Gefängnis muss, dann hat das oft zur Folge, dass der Vater sich aus dem Staub macht. Geht der Vater ins Gefängnis, lässt die Mutter ihre Kinder oft bei der Großmutter zurück und startet mit einem anderen Mann neu durch. Diese Kinder sind also besonders verletzliche und gefährdet. Und ohne Großmütter würde es noch schlimmer aussehen. Das Patenschaftsprojekt der Hoffnungsträger kümmert sich mit Sozialarbeitern vor Ort darum, dass diese Kinder weiter Zugang haben zu den lebenswichtigsten Dingen: Bildung, Ernährung, Schutz und Führsorge. Für uns alles selbstverständlich in einem Staat, der ein funktionierendes Hilfesystem hat. In Kambodscha absolut notwendige Nothilfe.

Hoffnungsträger im InterviewUnd so sind wir unterwegs auf den staubigen Straßen in und um Phnom Penh und besuchen die Ärmsten des Landes. Es sind besondere Begegnungen. Tiefgreifende Geschichten und ich bin mit Foto und Videokamera unterwegs. Kein einfacher Job – aber eben mein Job für diese Woche. Schwierig macht ihn nicht die Hitze – sondern die Tatsache, dass man behutsam vorgehen muss. Man kann natürlich einfach schamlos draufhalten – aber auch hier in Kambodscha, wo ich kein Wort verstehe, wird schnell deutlich wer sich wohl fühlt, wenn eine Kamera dabei ist und wer nicht. Und man will und braucht natürlich Bildmaterial für die Arbeit zu Hause – aber eben nicht um jeden Preis.

Fazit?!

DSC01486Viel hab ich gelernt über Kambodscha. Ich hab Einblicke in Geschichten von Menschen bekommen die praktisch am Existenzminimum leben. Ich durfte in eine Schule reinschauen. Ich durfte Kindern beim Spielen auf den Straßen zuschauen. Und obwohl sie nicht viel und auch keine grandiose Zukunft vor sich haben – sie lachen, sie zanken sich und spielen Streiche. Kambodscha ist das pure Leben. Wenn auch ein viel härteres als bei uns. Denn die Chancen es nicht zu schaffen, sind dort wesentlich höher als hier in Deutschland. Und ich durfte sehen was 30€ im Monat im Leben eines Kindes verändern können. Mit 30€ kann man in die Zukunft eines Kindes investieren und es so zum Hoffnungsträger für sein eigenes Land machen. Ob in Kambodscha, in Sambia oder Kolumbien. Unterschiedliche Länder mit unterschiedlichen Geschichten. Was sie alle brauchen: Hoffnungsträger die ihr Land mitprägen und verändern.

 

Viel gäbe es noch zu erzählen: über das Land, die Leute, Erlebnisse. Aber der Artikel ist jetzt schon zu lang 😄. Gerne darf man mich deswegen auch direkt ansprechen.

Und wer auf 30€ im Monat verzichten kann, oder mit zwei anderen zusammen eine Team-Patenschaft abschließen möchte, findet hier alle nötigen Informationen: Werde Hoffnungsträger!

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